Herausfordernde Marktsituation

Milch ist ein Naturprodukt. Dank sehr guter Futterqualität ist die Milchproduktion im zweiten Halbjahr 2025 stark gewachsen – weltweit und auch in der Schweiz. Sie nahm so schnell zu wie seit dem Ende der Milchquoten in der EU nicht mehr. Im Jahr 2025 wächst sie um 2,7 Prozent, während der Durchschnitt von 2015 bis 2024 bei 0,8 Prozent pro Jahr lag.

Der seit über zehn Jahren anhaltende Rückgang der Milchproduktion in der Schweiz wurde 2025 gestoppt. Zum Jahresende wurde eine neue Rekordmenge an Milch geliefert. Auf ein ganzes Jahr hochgerechnet ergibt sich eine Gesamtproduktion von 3,6 bis 3,7 Mrd. Kilogramm Milch. Zum Vergleich: Im bisherigen Rekordjahr 2014 lag die Milchproduktion bei 3,5 Mrd. Kilogramm. Neben der Milchmenge wurden auch die Inhaltsstoffe positiv beeinflusst, der durchschnittliche Fettgehalt der Rohmilch ist derzeit hoch.

Der internationale Markt hat auf das Überangebot reagiert, die Preise sind stark gefallen. Auch der teilliberalisierte Schweizer Milchmarkt ist betroffen. Der Importdruck nimmt zu, die Wettbewerbsfähigkeit im Export verschlechtert sich, und der starke Schweizer Franken belastet die Vermarktung. Auch neue Importzölle sowie hohe Preise für Kaffee und Kakao beeinflussen den Verkauf.

 

Beachtliche Marktergebnisse

Der Milchverbrauch in der Schweiz stabilisiert sich und für 2025 wird sogar ein Wachstum erwartet. Im Aussenhandel bleibt die Schweiz eine Nettokäseexporteurin. Die Käseimporte sind zwar leicht gestiegen, konnten jedoch durch höhere Exporte ausgeglichen werden. Der Veredelungsverkehr ist 2025 erneut zurückgegangen.

Die Vermarktung von Schweizer Milchprodukten zeigt sich in einem schwierigen Marktumfeld im Export wie im Inland robust. Die Hauptherausforderung sind die rekordhohen Milchmengen. Da in den letzten Jahren wegen sinkender Produktion Verarbeitungskapazitäten reduziert wurden, führte die ungewöhnlich hohe Milchmenge zu einem grösseren Bedarf an Regulierung.

 

Die Branche übernimmt Verantwortung

Die Branche hat sich frühzeitig mit den Mengen- und Marktverschärfungen beschäftigt. Ab Herbst 2025 wurden regelmässige Kapazitätsmeetings organisiert und Massnahmen zur Marktstabilisierung beschlossen. Dazu gehören:
– Anpassung des A-Richtpreises zur Sicherung von Marktanteilen
– Freigabe von Marktentlastungsmassnahmen und C-Milch zur Stabilisierung des Fettmarktes
– Empfehlungen zur Reduktion der Milchmenge zur Sicherstellung der Verarbeitung

 

Perspektiven

Langfristig braucht das Grasland Schweiz eine starke Milchproduktion und eine leistungsfähige Verarbeitung. Milchprodukte sind weltweit gefragt, und viele Experten gehen davon aus, dass das Angebot künftig nicht ausreichen wird, um die Nachfrage zu decken. Das bietet gute Perspektiven für die Schweizer Milchwirtschaft, auch wenn kurzfristige Massnahmen weiterhin notwendig sind.

Der Milchmarkt bleibt schwankungsanfällig, und die Schweizer Milchwirtschaft kann sich den internationalen Entwicklungen nicht entziehen. Staatliche Eingriffe wie Milchmengenregulierung, Mindestpreise oder Importverbote werden nicht als Lösung gesehen. Die Politik kann die Branche jedoch unterstützen, etwa durch eine Erhöhung der Verkäsungszulage und ein Direktzahlungssystem, welche die Milchproduktion attraktiver macht.

Da die Schweiz einen Selbstversorgungsgrad von über 100 Prozent erreicht, ist sie auf Exportmärkte angewiesen. Deshalb müssen Diskussionen über Grenzschutz immer umfassend geführt werden – Exportmärkte und Inlandschutz gehören zusammen.

 

Peter Hegglin, Präsident, und Stefan Kohler, Geschäftsführer


































Klimabilanzierung

 

Die BO Milch hat die Pfeiler ihres Engagements im Klimaschutz definiert. Das Tool ist ausgewählt, die IT-Partnerschaft ist bestimmt. Somit steht dem Bau des Klimarechners BOM im Jahr 2025 nichts mehr im Weg. Eng begleitet von einer BO-Milch-Projektgruppe, macht sich ein Team aus Fachleuten von Barto AG, Bison Schweiz AG und Agridea – zuständig für den technischen Teil – sowie aus Vertretern der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften BFH-HAFL – zuständig für das Fachliche – an die Arbeit. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, bis Ende Jahr den bisher als Klir bekannten Klimarechner für eine breite Masse von Milchproduzentinnen und -produzenten nutzbar zu machen. Dank Schnittstellen zu den wichtigsten Datenquellen Agis, TVD und DBMilch wird der Rechner einerseits für die interessierten Betriebe einfach nutzbar. Andererseits lassen sich durch den automatischen Import der Berechnungsgrundlagen Fehler vermeiden und der Kontrollaufwand bleibt überblickbar. Das Resultat der Berechnungen: der Product Carbon Footprint (PCF), ausgedrückt als Kilogramm CO2 pro Kilogramm Milch.

Verarbeiter und Detailhändler benötigen den PCF, um ihre Klimabilanz mit realen Werten auszufüllen und um anschliessend nachzuweisen, wie sich der Wert ihrer verwendeten Milch über die Jahre verändert – im positiven Fall reduziert. Die sich verbessernden Werte basieren auf dem Engagement der Milchproduzentinnen und -produzenten.

 

Eine Lösung für den Sektor

Während des Jahres kristallisierte sich zunehmend heraus, dass ein Alleingang der Milchbranche im Klimaschutz nicht sinnvoll ist. Akteure der verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette erkannten, dass nur ein Zusammengehen innerhalb des Sektors Land- und Ernährungswirtschaft zielführend ist. Daraufhin haben sich im Sommer Aldi Suisse, Bio Suisse, Coop, Denner, Emmi, Fenaco, IP-Suisse, Lidl Schweiz, Migros-Genossenschafts-Bund, Nestlé, SBV und WWF zum Klimabündnis Lebensmittel zusammengeschlossen. In den verschiedenen Gremien des Bündnisses sind zahlreiche zusätzliche Organisationen und Unternehmen vertreten, darunter die Branchenorganisationen BO Milch, Proviande und Swiss Granum.

Das Klimabündnis Lebensmittel hat sich auf eine 5-Punkte-Erklärung geeinigt:

  1. Reduktion der Treibhausgas-Emissionen Richtung Netto-Null durch Umsetzung von wirkungsvollen Massnahmen, die eine gesamtheitlich nachhaltige Anbaupraxis anstreben, ohne die inländische Produktion zu verringern.
  2. Einheitlich berechnete SBTi konforme Emissionsfaktoren für alle relevanten Rohstoffe, inkl. periodischer Aktualisierung.
  3. Standardisierter Datenaustausch entlang der Wertschöpfungskette.
  4. Erarbeiten eines Finanzierungsmodells, welches die Herkunft und Verwendung der Mittel sicherstellt und Marktverzerrungen verhindert.
  5. Abgeltung der von den Produzenten erbrachten Leistungen (inkl. der vorgängigen Datenerhebungen) durch höhere Zuschläge (beispielsweise Richtpreiszuschlag im Milchbereich) am Markt durch die jeweiligen Abnehmer (u.a. Verarbeitung, Handel und Industrie). Diese Abgeltungen werden separat ausgewiesen.

 

Vorreiterrolle der Milchbranche

Weil es so komplex ist, die gemeinsamen Ziele umzusetzen, entschied das Klimabündnis, diese am Beispiel der Milchbranche in einem Pilotprojekt konkret durchzuspielen. Dies unter anderem, weil die Milchbranche im Bereich der Klimabilanzierung grosse Vorarbeiten geleistet hat. IP-Suisse, Bio Suisse und die BO Milch erhielten in der Folge den Auftrag zu prüfen, inwiefern die verschiedenen Klimasysteme verbunden und nach welchen Regeln die Leistungen der Landwirtschaftsbetriebe abgegolten werden können. Die wissenschaftliche Begleitung des Prozesses stellt sicher, dass dieses einheitliche System zur Klimabilanzierung der Absichtserklärung des Klimabündnisses entspricht.


















© 2018 IP Lait | Impressum | Datenschutz | Haftungsausschluss

empty