AP 2022+: Die Milchwirtschaft muss gestärkt werden

21.09.2017

Die Milchwirtschaft ist der mit Abstand bedeutendste Bereich der Schweizer Landwirtschaft. Zusammen mit der eng mit der Milchwirtschaft verbundenen Rindviehhaltung stammt rund ein Drittel des Produktionswertes der Schweizer Landwirtschaft aus der Milchproduktion. Die Milchwirtschaft ist mehr als andere Bereiche dem internationalen Wettbewerb ausgesetzt und rund ein Drittel der Milchproduktion wird für Exportmärkte verarbeitet. Die Milchwirtschaft ist fit und hat sich in den vergangenen Jahren den Herausforderungen gestellt.

Allerdings hat der Druck stark zugenommen. Dieser Druck ist einerseits auf die schwieriger gewordene internationale Marktlage zurückzuführen, er ist aber auch die Folge der gegenwärtigen politischen Rahmenbedingungen. Das Direktzahlungssystem und die schleichende Öffnung der Grenzen haben in den vergangenen Jahren mit dazu beigetragen, dass die Wirtschaftlichkeit der Milchwirtschaft gelitten hat. Es besteht die Gefahr, dass ohne Korrekturen in der Agrarpolitik das zentrale Standbein der Schweizer Landwirtschaft weiter geschwächt wird.

Die Milchbranche fordert deshalb den Bund dazu auf, die wichtigsten Stellschrauben neu einzustellen.

Bestehende Mängel

Die Branchenorganisation Milch hat in den vergangenen Monaten das gegenwärtige System analysiert. Sie macht konkrete Vorschläge, wo Anpassungen nötig sind. Den grössten Mangel am heutigen System sieht die BO Milch bei den Direktzahlungen und der fast nur die Milchbranche betreffenden teilweisen Marktliberalisierung. Der innerlandwirtschaftliche Wettbewerb wird heute durch diese beiden Instrumente zu stark zu Ungunsten der Milchproduktion beeinflusst. Bereiche mit offenen Grenzen, teilliberalisierte Bereiche und solche mit vollständigem Grenzschutz konkurrieren sich um die Bodenflächen. Die Milchwirtschaft hat hier die schlechtesten Karten. Die Direktzahlungen sind zu stark auf die Fläche ausgerichtet. Damit wird die Flächenmobilität gehemmt, es werden zu starke Anreize zur Extensivierung gesetzt und die Produktion wird vernachlässigt.

Auch wenn heute noch keine direkten Auswirkungen messbar sind, führen die grossen betrieblichen Unterschiede innerhalb der Landwirtschaft zu Verzerrungen am Markt und vor allem im Milchbereich zu grossen Frustrationen. Der Übergang von produkt- zu flächengebundenen Beiträgen war zu radikal. Die fast nur im Milchsektor bestehende Liberalisierung verstärkt den Effekt zusätzlich. Demzufolge sind die Preise im Milchsektor und die Einkommen im Bereich Molkereimilchproduktion zurückgegangen.

Aufgrund von künstlichen Anreizen bestehen in der Milchwirtschaft Einkommens-, Kosten- und Absatzprobleme. Der Milchpreiszerfall in der EU von 2014 bis 2016 und die Frankenaufwertung 2015, auf welche die Agrarpolitik keine Antwort bereit hatte, haben die Situation weiter erschwert.

Die wichtigsten Forderungen für die Agrarpolitik 2022+

Die Milchbranche fordert, dass das bestehende Direktzahlungssystem überarbeitet wird. Die Arbeit soll gegenüber dem Flächenbesitz ein höheres Gewicht erhalten. Die Professionalität der Milchproduktion ist zu stärken, damit die hohen Anforderungen an eine zukunftsgerichtete Schweizer Milchwirtschaft weiterhin erfüllt werden können. Nur so kann das Ziel einer nachhaltig produzierenden Milchwirtschaft erreicht werden. Damit der Absatz von Schweizer Milchprodukten gehalten werden kann, braucht es bessere Rahmenbedingungen für den Export.

Im Rahmen von neuen Freihandelsabkommen mit Ländern ausserhalb der EU ist deshalb ein besonderes Augenmerk auf diesen Aspekt zu legen. Die bestehenden Massnahmen im Bereich Marktstützung insbesondere die Zulagen und die Absatzförderungen sowie Begleitmassnahmen sind dabei beizubehalten. Dies ist für den Käsesektor von grosser Bedeutung, weil damit die ungleich langen Spiesse mit den ausländischen Mitbewerbern zumindest teilweise ausgeglichen werden.

Für Rückfragen

Peter Hegglin, Präsident BO Milch, 079 743 48 19

Stefan Kohler, Geschäftsführer BO Milch, 031 381 71 11 / 078 828 18 58

Medienmitteilung vom 21. September 2017

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